Ein Beitrag von Johanna Beeh • Der Informatik-Monitor Junior gibt eine Antwort: Geht so, um ehrlich zu sein. Eve Tessenow und ihr Forschungsteam haben sämtliche Lehrpläne und Curricula für die Grundschule durchforstet. Ihre Fragen waren: Wo werden informatische Kompetenzen genannt? Wie tiefgreifend wird die Kompetenzerwartung in den einzelnen Klassenstufen formuliert?
Bremen ist Spitzenreiter, rund die Hälfte hinkt hinterher
Der Informatik-Monitor Junior von Mai 2026 attestiert Bremen die Spitzenposition in Bezug auf ein umfassendes Informatikangebot in der Grundschule. Das bedeutet, dass in Bremer Lehrplänen die meisten Kompetenzerwartungen in Bezug auf Informatik formuliert sind. Wichtig für die Einordung ist, dass bei der Bewertung rein quantitativ vorgegangen wurde (Wie häufig wird eine informatische Kompetenz genannt?) und keine Aussage über die Qualität (Auf welchem Anforderungsniveau wurde die Kompetenzewartung formuliert?) getroffen werden kann. Mit anderen Worten: Bremen hat die Kompetenzerwartungen für informatische Inhalte sehr kleinschrittig formuliert.
Was sofort heraussticht: In fast der Hälfte der Bundesländer (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen) wurden in den untersuchten Curricula keine dedizierte informatische Kompetenzerwartung gefunden. Das bedeutet allerdings nicht, dass in diesen Bundesländern gar keine informatische Bildung in Grundschulen stattfindet. Die Beobachtung weist vielmehr darauf hin, dass informatische Bildung in diesen Bundesländern nur als Querschnittsaufgabe im Bereich Medienbildung vorgeschrieben ist. Den Autor*innen des Informatik-Monitors Junior ist das jedoch nicht genug. Es zählen nur die informatischen Kompetenzen, die klar einem Fach zugeordnet sind.
Informatische Bildung passiert hauptsächlich im Sachunterricht
Rund die Hälfte aller informatischen Kompetenzen, die in Lehrplänen für die Grundschule erwähnt werden, finden sich im Sachunterricht wieder. Doch auch der Lehrplan für den Fächerverbund Technik/Werken enthält viele informatische Kompetenzen, sofern er denn unterrichtet wird. Vereinzelt finden sich explizite Erwähnungen von informatischen Inhalten auch im Mathematikunterricht oder den fächerübergreifenden Medienkompetenzrahmen.
Algorithmen sind überrepräsentiert
Laut den Empfehlungen der Gesellschaft für Informatik umfasst informatische Bildung fünf Inhaltsbereiche. Jedoch behandeln zwei Fünftel der identifizierten Kompetenzerwartungen den Inhaltsbereich Algorithmen. Ein weiteres Viertel behandelt den Inhaltsbereich Informatiksysteme. Damit verbleiben für die Inhaltsbereiche Informationen & Daten, Sprachen & Automaten sowie Informatik, Mensch & Gesellschaft nur noch knapp ein Drittel der identifizierten Kompetenzerwartungen.
Dabei sind Algorithmen keineswegs einfacher als z. B. die gesellschaftlichen Auswirkungen von Informatiksystemen oder das Speicherprinzip von Daten. Vielmehr sind sie schlicht und ergreifend am häufigsten Unterrichtsgegenstand, wenn es in der Grundschule um Informatik geht. Die Aufforderung des Forschungsteams vom Informatik-Monitor Junior ist daher, eben nicht nur über Algorithmen zu sprechen, wenn es um Informatik geht, sondern sich auch mit anderen Inhaltsbereichen auseinanderzusetzen. Auch hier gibt es bereits eine vielfältige Sammlung von erprobten Unterrichtsmaterialien.

Quelle: https://informatik-monitor-junior.gi.de (Reiter „Inhaltsbereiche“)
Das Fazit: Wege entstehen dadurch, dass man sie geht
Für die Politik ist der Informatik-Monitor Junior ein Weckruf. Zeigt er doch ganz deutlich, dass die Empfehlung der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) nicht ausreichend umgesetzt wurde.
Für alle Schulleitungen und Lehrkräfte, die informatische Bildung schon jetzt unterrichten (auch über die Forderungen des Lehrplans hinaus), ist der Informatik-Monitor Junior ein Applaus. Denn sie ermöglichen schon heute eine chancengleichere und zukunftsrelevantere Bildung für alle Kinder.
„Verpflichtende Informatikinhalte im Sachunterricht der Grundschulen: Die SWK empfiehlt, nicht nur den Aufbau von Medienkompetenzen, sondern auch den Aufbau informatischer Kompetenzen systematisch bereits in der Grundschule zu beginnen.“ (SWK, 2022, S.63)
Für alle Bildungspartner von Schulen, von Universitäten bis gemeinnützige Bildungsorganisationen ist der Informatik-Monitor Junior ein Zeichen der Hoffnung. Durch die Entwicklung von Unterrichtsmaterialien, Lernapps und dem Anbieten von Fortbildungen, hat sich was in der Bildungslandschaft getan. Dieses Momentum dürfen wir weiter anschieben.

Fynn und Johanna auf dem Markt der Möglichkeiten des GI-Fachtags „Früh übt sich – Informatikunterricht in der Grundschule“, auf dem der Informatik-Monitor Junior vorgestellt wurde


